Die Geschichte des Schlosses Belvedere beginnt mit Prinz Eugen von Savoyen, einem der erfolgreichsten Feldherren in der Geschichte des kaiserlichen Österreichs. Im Jahr 1697 erwarb der Prinz ein großes Grundstück vor den Toren der Stadt, um eine Sommerresidenz zu errichten, und beauftragte den berühmten Barockarchitekten Johann Lukas von Hildebrandt mit dem Projekt. Das Ergebnis war ein prachtvolles architektonisches Ensemble, das zu einem Wahrzeichen Wiens werden sollte.

Die Sommerresidenz des Prinzen Eugen

Der Komplex wurde in zwei Hauptphasen erbaut, wodurch zwei separate Schlösser entstanden.

Das Untere Belvedere (1712–1716)

Der Bau des Unteren Belvedere begann um 1712 und wurde 1716 fertiggestellt. Dieses Schloss diente Prinz Eugen als eigentlicher Wohnsitz. Seine Prunkräume, darunter die Marmorgalerie und das Goldkabinett, sollten den Reichtum und den erlesenen Geschmack des Prinzen zur Schau stellen.

Das Obere Belvedere (1717–1723)

Der Bau des prunkvolleren Oberen Belvedere begann 1717 und wurde 1723 abgeschlossen. Dieses Schloss war nicht als Wohnsitz gedacht, sondern als prachtvoller Schauplatz für Empfänge, Bankette und höfische Feste. Seine erhöhte Lage auf einem Hügel bot eine atemberaubende „schöne Aussicht“ (belvedere) über die Gärten und die Stadt Wien, was dem gesamten Komplex seinen Namen gab.

Vom kaiserlichen Schloss zum öffentlichen Museum

Nach dem Tod von Prinz Eugen im Jahr 1736 erbte seine Nichte den Besitz, verkaufte ihn aber schon bald, im Jahr 1752, an Kaiserin Maria Theresia. Damit begann für das Belvedere eine neue Ära als kaiserliches Eigentum. Unter Maria Theresia und ihrem Sohn, Kaiser Joseph II., wurde das Schicksal des Schlosses als Kulturinstitution besiegelt. Im Jahr 1776 beschlossen sie, die Kaiserliche Gemäldegalerie aus der Hofburg in das Obere Belvedere zu verlegen und die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieser Schritt machte das Belvedere zu einem der allerersten öffentlichen Museen der Welt.

Eine Bühne der Weltgeschichte

Das Belvedere spielte auch weiterhin eine Rolle bei wichtigen historischen Ereignissen. Im späten 19. Jahrhundert wurde es zur Residenz von Erzherzog Franz Ferdinand, dem Thronfolger, dessen Ermordung in Sarajevo 1914 den Ersten Weltkrieg auslöste. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss durch Bombenangriffe beschädigt, aber sorgfältig wiederhergestellt.

Sein entscheidendster Moment in der modernen Geschichte ereignete sich am 15. Mai 1955. Im prachtvollen Marmorsaal des Oberen Belvedere unterzeichneten Vertreter der alliierten Besatzungsmächte (USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion) und Österreichs den Österreichischen Staatsvertrag. Dieses Dokument stellte Österreich als freien, unabhängigen und souveränen Staat wieder her. Berühmt ist die Szene, in der Außenminister Leopold Figl den unterzeichneten Vertrag der jubelnden Menge vom Balkon des Schlosses mit den Worten „Österreich ist frei!“ präsentierte.

Das Belvedere im 21. Jahrhundert

Heute ist das Belvedere UNESCO-Weltkulturerbe und eine der meistbesuchten Kulturattraktionen Österreichs. Es wird als führendes Museum unter dem Namen Österreichische Galerie Belvedere betrieben.

  • Das Obere Belvedere beherbergt die Dauerausstellung, die für ihre einzigartige Sammlung von Gemälden Gustav Klimts, einschließlich Der Kuss, sowie für Meisterwerke der österreichischen Kunst vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts berühmt ist.
  • Das Untere Belvedere wird zusammen mit der Orangerie für Sonderausstellungen genutzt, die österreichische Kunst im internationalen Kontext beleuchten.
  • Das Belvedere 21, ein separater moderner Pavillon, ist der zeitgenössischen Kunst, dem Film und der Musik gewidmet.

Die reiche Geschichte des Schlosses ist in seinen Sälen und Gärten spürbar. Um diese einzigartige Mischung aus Kunst, Architektur und Geschichte zu erleben, können Sie Tickets buchen, um die Sammlungen zu besuchen, oder Führungen arrangieren, um tiefer in seine Geschichte einzutauchen.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Schloss Belvedere erbaut?

Der Schlosskomplex Belvedere wurde im frühen 18. Jahrhundert erbaut. Das Untere Belvedere wurde zwischen 1712 und 1716 errichtet, das Obere Belvedere zwischen 1717 und 1723.

Wer war der Architekt des Schlosses Belvedere?

Der Architekt des gesamten Belvedere-Komplexes war Johann Lukas von Hildebrandt, einer der bedeutendsten österreichischen Barockarchitekten. Er wurde vom ursprünglichen Besitzer, Prinz Eugen von Savoyen, beauftragt.

Welcher wichtige Vertrag wurde im Schloss Belvedere unterzeichnet?

Im Marmorsaal des Oberen Belvedere wurde am 15. Mai 1955 der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag beendete die alliierte Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg und stellte die volle Souveränität Österreichs wieder her.

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